Eindrücke und Bilder aus Polen



„Gegen die Dummheit auf beiden Seiten hilft nur Begegnung“

Besuch einer Delegation der Martini- Kirchengemeinde Gadderbaum in Polen

"Gegen die Dummheit auf beiden Seiten hilft nur Begegnung", sagte ein älterer Mann am Ende des Gottesdienstes in Dziegielow, an dem eine Delegation der Martini-Kirchengemeinde Gadderbaum am 1. September 2006 teilnahm.

Eigentlich war es ein schöner und freudiger Anlass. Die Glocken aus der Georgenkirche in Bielefeld ertönten in Dziegielow nun zum ersten Mal auf einem provisorisch erbauten Glockenturm, und die Gemeine feierte mit einem Gemeindefest diesen besonderen Anlass mit den Gästen aus Bielefeld.

Auch die Kirchenbänke aus der Georgenkirche sind in der Nachbarkirche  in  Leszna Gôrna untergekommen und wirken wie für die Kirche hergestellt.

Doch angesichts des besonderen Verhältnisses zwischen Polen und Deutschland bekam dieser Gottesdienst, der ja auch an einem denkwürdigen Datum, dem 1. September, stattfand, noch eine andere Bedeutung. Pfarrer Große stellte in seiner Ansprache heraus, dass neben der Freude auch eine Aufgabe bestünde, nämlich dass Christen vorangehen müssten durch Begegnungen und durch Miteinander, um die Missverständnisse und Vorurteile, die immer noch zwischen den Menschen beider Nationen bestünden, zu begegnen. Nicht der Blick in die Vergangenheit soll im Mittelpunkt stehen, sondern das gleichwertige Miteinander bei Wahrnehmen der geschichtlichen und gegenwärtigen Verschiedenheit.

Pfr. Große, Kirchmeister Martin Kordes und das Mitglied der Seelsorgegruppe Hilde Gansel trafen auf große Gastfreundschaft und auf Interesse an der kirchlichen und gesellschaftlichen Situation in Deutschland. Versucht man in Deutschland über Zentralisation von Gemeinden das Gemeindeleben attraktiver zu machen, gehen die evangelischen Christen in Polen genau den umgekehrten Weg, indem möglichst kleine Gemeinden mit hoher Eigeninitiative und Eigenbeteiligung errichtet werden. So  hat sich die Gemeinde in Dziegelow mit 600  Gemeindemitgliedern vor einem Jahr  selbstständig gemacht. Allerdings nehmen durchschnittlich 40 - 60% der Mitglieder regelmäßig am Sonntagsgottesdienst teil.
Beiden Seiten ist deutlich, dass es sehr verschiedene Situationen sind, die auch zu intensiven Diskussionen über den  Glauben führten. Während  in der Martini-Kirchengemeinde eher  eine Hinwendung zum offenen dialogischen Glauben versucht wird,  wird in den polnischen Gemeinden eher ein sehr stark missionarischer Glaube mit "evangelikaler" Ausrichtung versucht.

Beide Presbyterien werden nun darüber entscheiden, ob es in Zukunft weitere Begegnungen in Deutschland und in Polen geben wird, um den „Dummheiten“ von beiden Seiten mit Informationen zu begegnen und die Einheit im  Glauben bei  aller Verschiedenheit zu versuchen.

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