Wir waren dann mal weg...

Auf dem Jakobsweg zwischen Würzburg und Rothenburg
Vierzehn Männer und Frauen machten sich am Morgen des 25. Mai 2008 auf den Weg. Vor uns lagen eine Woche und knapp 100 km auf dem fränkisch-schwäbischen Jakobsweg von Würzburg über Ochsenfurt; Aub, Creglingen nach Rothenburg und die Spannung, was wir in diesen Tagen erleben würden.
Schon in Würzburg erwarteten uns hochsommerliche Temperaturen um die 30°C. Zum Einstieg wanderten wir am Nachmittag durch die Straßen, um uns den Dom und die Residenz anzusehen und Ausblicke über den Main und auf die umliegenden Weinberge zu genießen.
Gleichsam den „Startschuss“ für unseren Weg bildete der Besuch in der Don-Bosco-Kirche, der früheren Jakobskirche, wo wir uns nach einer Andacht den ersten Pilgerstempel abholen konnten.
Am nächsten Morgen ging es durch alte fränkische Weinberge nach Randersacker, ein kleines, typisch fränkisches Weindorf, von wo aus uns der Weg immer am Main entlang bis nach Ochsenfurt führte.
Schon am Mittag begegneten wir einem Mann, der uns von seinem sieben Monate dauernden Weg nach Santiago de Compostela erzählte. Mit unseren Jakobsmuscheln am Rucksack waren wir für „Kenner“ als Pilgerwanderer leicht zu erkennen.
In Ochsenfurt angekommen, bezogen wir unsere Zimmer. Nach der Hitze und den Anstrengungen des Tages wurde die Dusche zu einem ganz besonderen Erlebnis.
Und hier wie an folgenden Abenden sorgten wir dann neben der Seele auch für Leib. Von Leberknödelsuppe bis hin zu fränkischen ‘Würstchen mit Kraut“ und natürlich dem Frankenwein gab es vieles, was half, wieder zu Kräften zu kommen.
Besonders der zweite Wandertag vermittelte uns ein Gefühl davon, im sommerlichen Spanien unterwegs zu sein. Unser Weg führte durch sonnendurchglühte Felder, Wasservorräte gingen zu Neige, und zuletzt rettete uns eine Pause in einem Freibad, um schließlich noch die letzten acht Kilometer bis Aub zu bewältigen. Das war für manche dann doch eine Grenzerfahrung. Wie gut, wenn dann ein freundlicher Wirt mit einem guten Abendessen auf die Gruppe wartet…
Und überhaupt: viele fränkische Gasthöfe hatte ihre Tore geschlossen und nötigten uns zu ungewöhnlichen Pausen. In einem „Saftladen“ sorgten wir für die Flüssigkeitszufuhr. Auf der Treppe vor einer Bäckerei mitten im Dorf saßen wir, um uns mit fester Nahrung zu stärken, bevor es dann an der Tauber entlang immer weiter dem Ziel zu ging.
Wir müssen gelegentlich einen ungewöhnlichen Anblick vermittelt haben, durchgeschwitzt und etwas heruntergekommen, wie wir aussahen. Jedenfalls kamen uns Radfahrer entgegen, die uns mit dem Zuruf „Haltet durch“ ermutigen wollten.
Vor allem die letzte Etappe auf dem „Riemenschneiderweg“ zwischen Creglingen und Rothenburg sorgte auch für kulturelle Erlebnisse. Die Herrgottskirche in Creglingen, die Dorfkirche in Detwang und schließlich der Heilig-Blut-Altar in Rothenburg gehören zu den besonderen Anziehungspunkten in dieser Gegend. Wie gut, dass neben der Kunst die Kirchen auch immer einen kühlen Rückzugs-ort bedeuteten, an dem wir uns wieder erholen konnten.
Am Donnerstagnachmittag schließlich tauchten hoch über dem Taubertal die ersten Türme von Rothenburg auf. Aber erst, nachdem wir den Weg vorbei am Töpplerschlösschen und über die alte Römerbrücke gegangen waren, kamen wir am Stadttor von Rothenburg an. Betrachten wir jetzt das Bild unserer Ankunft, stehen da 14 reichlich verschwitzte, müde, aber auch zufriedene Wanderer, die sich am Abend beim „Reichsküchenmeister“ gleich neben der Jakobsweg, zu einem Essen unter großen, alten Kastanien treffen sollten. Das Ziel war erreicht, und bis auf zwei kleine Teilausfälle hatten alle durchgehalten.
Der Weg wurde für alle zu einem bereichernden schönem Erlebnis, weil alle diszipliniert und engagiert bei der Sache waren und jeder seinen Anteil zum Gelingen des Ganzen beigetragen hatte.
Die Planung einer solchen Pilgerwoche kann nur den äußeren Rahmen schaffen. Die Menschen, die mitgehen, erfüllen ihn mit Leben, mit Begegnungen, Gesprächen, Austausch von Erfahrungen, und daraus wächst ein gemeinsames Erlebnis, das noch lange nachwirken wird.
"Besonders das Wandern ist eine unentbehrliche Gelegenheit, Leib und Seele vor der Verkümmerung zu bewahren und in der Begegnung mit der Natur zu sich selbst zu finden.“ (W. Brezinka)
Ich glaube, davon haben wir in diesen Tagen alle etwas erlebt.

P. Isringhausen